5) Ausgesuchte Erkrankungen:
Arteriosklerose:
Die häufigste Ursache der PAVK ( peripheren Verschlusskrankheit ) ist die Arteriosklerose.
Die Angiographie der Becken- / Beinregion bei Verdacht auf PAVK dient der Klärung der Befundlokalisation und der Erkennung der Schwere der Erkrankung. Die Untersuchung erfolgt immer symmetrisch an beiden Extremitäten einschließlich der distalen Aorta abdominalis und der Beckengefäße. Grundsätzlich können angiographisch drei Befundmuster gesehen werden:

  1. Der diffuse stenotische Typ bei dem multiple Stenosen, bzw. kurzstreckige Verschlüsse, insbesondere im Bereich der Arteria femoralis superficialis und der Arteria poplitea findet. Bei fortgeschrittener Erkrankung kommt es zu ausgedehnten Gefäßverschlüssen.
  2. Der Verschlusstyp. Hier zeigen sich kurze oder langstreckige Gefäßverschlüsse, die übrigen Gefäße zeigen arteriosklerotische Veränderungen sowie z.T. hochgradige Stenosen.
  3. Der diffuse ektatische Typ. Hierbei besteht eine Neigung zur Ausbildung poplitealer und femoraler Aneurysmen.

Stenosen und Verschlüsse zeigen sich am häufigsten im Bereich von Gefäßaufzweigungen, bzw. in Bereich wo Gefäße einer Belastung ausgesetzt sind ( Adduktorekanal, Kniegelenke ).

Periphere Embolie:
Die häufigste Emboliequelle peripherer Embolien ist das Herz. Andere Ursachen sind wandständige Thromben der Aorta thoracalis und abdominalis, aortale Aneurysmen sowie paradoxe Embolisationen durch ein offenes Foramen ovale, bzw. einen Septumdefekt. Indikation zur Angiographie ist die Bestimmung des Befundausmaßes, insbesondere interessiert der Gefäßabschnitt distal des Embolus. Plastischerweise sieht man dann großen Verschluss des Zeichen des nach oben proximal konvexen Meniskus. Distal der Obstruktion treten häufig schwere Vasosplasmen auf. Der differenzialdiagnostisch in Frage kommende arteriosklerotische Verschluss unterscheidet sich angiographisch dadurch, das die Arterie spitz auf den Verschluss zuläuft und sich in der Regel proximal der Okklusion Kollateralgefäße vorfinden. Beim embolischen Verschluss finden wir aufgrund des akuten Ereignisses keine Kollateralen, ist der Embolus subakut können die Kollateralen durch Vasosplasmus nicht darstellbar sein oder sie sind ebenfalls durch den Embolus verlegt.

Lungenembolie:
Beim Verdacht auf eine Lungenembolie kann eine Pulmonalisangiographie durchgeführt werden. In neuster Zeit wird aufgrund der deutlich verbesserten CT-Technik ( Mehrzeilenspiral-CT ) die Pulmonalisangiographie immer mehr durch eine gute Angio-CT abgelöst. Bei der Pulmonalisangiographie wird ein Katheter möglichst in den Pulmonalishauptstamm eingebracht ( über Vena femoralis, Pigtail oder auch Ballonkatheter ). Die wichtigsten angiographischen Kriterien der Lungenembolie sind ein intraluminaler Füllungsdefekt und ein abrupter Gefäßabbruch. Weniger spezifische angiographische Befunde sind Hypovaskularisation ( Oligemie ), Nachweis geschlängelter arterieller Kollateralen, Hypervaskularisation des infarzierten Segmentes, exzentrische oder konzentrische Plaque und Kanalisierung von Thromben, Darstellung eines neuen Lumens.

Nierenzellkarzinom:

Eine Angiographie beim Nierenzellkarzinom kann indiziert sein zur Abklärung sehr großer Tumoren, zur Beurteilung der Gefäßversorgung sowie zum Nachweis evtl. pathologischer Gefäße. Des Weiteren kann eine Angiographie durchgeführt werden zum Erkennen eines Tumoreinbruchs in die Vene und allgemein zur Abklärung der Gefäßanatomie vor partieller Nephrektomie. Interventionell kann eine Angiographie indiziert sein, zur Behandlung einer Spontanblutung, wobei hier eine Katheterembolisation versucht werden kann.
Bei jeder Angiographie der Niere zum Ausschluss eines Tumors sollte eine Pharmakoangiographie durchgeführt werden, hierbei wird hochverdünntes Hypertensin via Katheter gegeben um pathologische Gefäße nachzuweisen. Nach Hypertensingabe sollten sich gesunde Gefäße kontrahieren und in der Niere keine Gefäßzeichnung nachweisbar sein, pathologische Tumorgefäße reagieren nicht auf Hypertensin, so dass dann der Tumor isoliert mit seinen pathologischen Gefäßen zur Darstellung kommt.
Allgemeine Angiographische Merkmale eines Nierenzellkarzinoms sind vergrößerte geschlängelte, den Tumor versorgende Gefäße, oben erwähnte pathologische Gefäße mit ungeordneter Architektur und Bildung von kleinen Aneurysmen, parasitäres Anzapfen benachbarter Gefäße wie z.B. der Arteriae lumbalis oder- suprarenalis, Einbruch des Tumors in die Nierenvene und in die Vena cava inferior.

Abdominales Aortenaneurysma:
Beim abdominellen Aortenaneurysma muss man drei Typen unterscheiden.

  1. Das fusiforme Aneurysma infolge einer Dilatation aller Wandschichten.
  2. Das traktförmige Aneurysma, dies ist Folge einer Ausdünnung der Media.
  3. Das falsche Aneurysma, die aus einer Ruptur aller Wandschichten resultieren.
Von einem Aneurysma spricht man ab einer Erweiterung der abdominalen Aorta, größer 5 cm. Eine Angiographie bei abdominalen Aortenaneurysma ist indizierter Bestimmung der Ausdehnung von Aneurysmen insbesondere in Bezug auf die Nierenarterien und zur Darstellung apparenter Gefäßabgänge. In der Angiographie sieht man dann eine umschriebene Erweiterung des Aortenlumens, größer 5 cm. Häufig wird ein gleichzeitiger Verschluss der Arteria mesenterica inferior gesehen ( 80 Prozent ). Des Weiteren sollte darauf geachtet werden ob das Aneurysma auf die Iliakalarterien übergreift. Bei gedeckter Aneurysmaruptur kann eine extraluminale Kontrastmittelansammlung nachgewiesen werden.

Tiefe Beinvenenthrombose:
Zur Darstellung der tiefen Beinvenenthrombose wird eine ascendierende Phlebographie nach May und Nissl durchgeführt. Nach Desinfektion und supramalleolärer Stauung und Punktion einer Fußrückenvene wird zur Darstellung der tiefen Beinvenen ca. 30 bis 60 ml nichtionisches Kontrastmittel injiziert. Es werden Aufnahmen des Unterschenkels der Knieregion des Oberschenkels sowie des Beckens und der Abfluss zur Vena cava inferior angefertigt, wobei die Aufnahmen im Bereich des Unterschenkels und der Knieregion in zwei Ebenen erfolgen. Die Phlebographie dient dem Nachweis der tiefen Beinvenenthrombose sowie der Ausdehnungsbestimmung.. Zur Darstellung kommen entweder wandständige oder umflossene Thromben oder der Verschluss von Gefäßen. Am Unterschenkel können ganze Venengruppen nicht dargestellt sein.
Klassisch beim umflossenen Thrombus ist das "Schienenphänomen" wenn links und rechts vom Thrombus Kotrastmittel vorbeifließt. Bei länger bestehenden Thrombosen kommt es zur Ausbildung von Kollateralen über die oberflächliche Venen mit Ausbildung einer Varikosis.

Intrakranielles Aneurysma:
90 Prozent der intrakraniellen Aneurysmen liegen im Stomgebiet der Arteria carotis interna, hier insbesonder an der Aufzweigung der Arteriae communicantes anterior et posterior des Circulus arteriosus velisi. In der Angiographie kommen diese Aneurysmen als kleine sackförmige, kontrastmitteldurchströmte Aussackungen zur Darstellung.